Jan Zöller – For every thing that is shown, some thing is hidden

Samstag, 25. Juni 2022, 11:00 Uhr Sonntag, 21. August 2022
Bild von Jan Zöller

Jan Zöller gestaltet fantastische Welten, die doch nie den Bezug zur Realität verlieren. Mit ihren strahlend intensiven Farben und klaren Formen mögen seine Bilder fast schon kindlich wirken. Schnell wird aber deutlich, dass sie alles andere sind als naiv. Denn Zöller reflektiert die Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen Menschen und Systemen, von sozialen und gesellschaftlichen Dynamiken sowie von ökonomischen Kreisläufen, und nutzt dazu seine eigene Ikonografie immer wiederkehrender Motive.
Urbane Strukturen treten in Form von Brunnen, Mauern und Straßenlaternen in Erscheinung. Natur als arglos gemalte Bäume und Büsche oder stilisierte Elstern und Raben. Immerzu tauchen auch Hosenbeine auf, die rastlos durch die Bilder laufen. Mal sind sie körperlos, ein anderes Mal bestehen ihre Oberkörper aus Brunnenbecken oder den bereits erwähnten Vögeln. Ihre „Funktion“ beziehungsweise ihr Wesen erscheint nicht festgelegt zu sein. Klar wird aber, dass ihnen etwas Humanes anhaftet, was wiederum die Vermutung zulässt, dass sie Metaphern für das Mensch-Sein oder Personifikationen des Menschlichen sind. Sie werden dann auch in den verschiedensten alltäglichen Situationen dargestellt, in denen jedoch immer etwas aus dem Lot geraten zu sein scheint. Alles ist in Bewegung, ja geradezu in Hektik versetzt, wodurch sich das eigentliche Thema von Zöllers Werken offenbart. Denn sie handeln davon, was es heißt, als Individuum in eine spätkapitalistische Verwertungs- und Leistungsgesellschaft eingebunden zu sein, aus der es kein Entkommen gibt. Auch nicht in oder mit der Kunst. Und so thematisiert Zöller auch immer wieder den Kunstbetrieb mit seinen Produktions- Präsentations- und Rezeptionsprozessen, Gepflogenheiten und Codes. Macht also das System, in das er selbst als Künstler eingebunden ist, sowie seine eigenen Erfahrungen innerhalb dieser Strukturen, zum Fundament seiner Praxis. Dieser biografische Aspekt wird zwar nicht plakativ offengelegt, ist aber in seinen Arbeiten und Ausstellungen immer präsent und spürbar.
Deswegen ist es auch nur konsequent, dass er in "For every thing that is shown, some thing is hidden" mit den Erwartungen, die an eine Ausstellung im Allgemeinen und an eine Malereiausstellung im Speziellen geknüpft sind, spielt. Denn obwohl Ausstellen auch gleichzeitig Zeigen bedeutet, löst er das, was im Titel bereits angedeutet ist, auch ein.
Durch installative Eingriffe stellt sich zunehmend das Gefühl ein, in einer dreidimensionalen Version der Bilder zu stehen. Unweigerlich wird man in diesen raumgreifenden Ensembles selbst zu den rastlosen Hosenbeinen, Elstern und Raben, die Jan Zöllers Bilder bevölkern. Damit geht einher, dass die Ausstellung auch gleichzeitig ein Bühnenbild für ein Theaterstück ist, das Zöller mit seinem Kindheitsfreund Felix Baumann zurzeit entwickelt. Die Installation der Ausstellung ist bereits der erste Akt der Kollaboration und dient der Erprobung, wie Elemente der Bildenden und Darstellenden Kunst miteinander kombiniert werden können und in einen Austausch treten.
"For every thing that is shown, some thing is hidden" ist somit keine herkömmliche Malereiausstellung, in der man sich von Bildern berieseln lassen kann. Viel eher müssen sich die Besucherinnen und Besucher die Ausstellung erarbeiten, um sie sich zu erschließen, sie zu entdecken und das zu finden, was sie womöglich (gar nicht) gesucht haben. Belohnt wird man mit einer Art Projektionsfläche, die es ermöglicht, mit einem gewissen Abstand unser eigenes Dasein, das, wonach wir streben und was wir uns wünschen, zu reflektieren.

Jan Zöller (geb. 1992 in Haslach im Kinzigtal) lebt und arbeitet in Karlsruhe. Er hat an der Akademie der Bildenden Künste bei Leni Hoffmann und Marijke van Warmerdam sowie am École nationale supérieure des Beaux-Artes bei Jean Marc Bustamante studiert. Er erhielt ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds, den 24. Bundespreis für Kunststudierende und den Postgraduiertenpreis der Kunstakademie Karlsruhe.
Seine Werke wurden in Einzelausstellungen in der Städtischen Galerie Ostfildern, bei Meyer Riegger, Karlsruhe, Robert Grunenberg, Berlin, der Galerie Ehrhardt Flórez, Madrid, Spazio Buonasera, Turin, DINAMIKA, Moskau und in Gruppenausstellungen u.a. in der Bundeskunsthalle, Bonn, der Baumwollspinnerei, Leipzig, dem Kunstverein Heidelberg, Coherent, Brüssel, und der Osnova Gallery, Moskau, gezeigt.

Der Eintritt ist frei.

Veranstaltungsort & Veranstalter

Veranstaltungsort
Kunstverein Friedrichshafen
Buchhornplatz 6
88045 Friedrichshafen
https://www.kunstverein-friedrichshafen.de Alle Veranstaltungen an diesem Ort

Veranstalter
Kunstverein Friedrichshafen
Buchhornplatz 6
88045 Friedrichshafen
Tel. +49 7541 21950
Fax +49 7541 34206

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